Die Delfine

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Zwar gehören - wie gesagt - auch die vorgenannten "kleinen Zahnwale" wie Orca und Grindwal zur Familie der Delfine (Delphinidae), aber wenn wir von Delfinen reden, dann meinen wir eigentlich die nun folgenden 5 verschiedenen, reinen Delfin-Arten, die hier vor Gomera relativ häufig anzutreffen sind - häufiger jedenfalls, als die richtigen Wale.

1. Der Grosse Tümmler - Delfin mular
(Tursiops truncatus)

Er hat sich unter allen Delfinen den Namen eines "Freundes der Menschen" gemacht. Das liegt sicherlich zum einen an seinen hochgezogenen "Mundwinkeln", mit denen ihm die Natur ein ausgesprochen freundliches, fröhliches Aussehen verliehen hat, zum anderen ist der Grosse Tümmler ein gelehriger Akrobat, der als "Flipper" Filmgeschichte gemacht hat, und der in den Delphinarien der Welt - trotz aller Proteste von wahren Tierfreunden - immer noch als Attraktion gehalten wird.

Tümmler werden 3 bis 4 m lang, haben einen dunkelgrauen Rücken und einen hellgrauen Bauch. Bei Geburt messen sie etwa 1,20 m. Sie leben in allen gemäßigten Breiten der Welt. Manche bleiben immerzu am gleichen Ort, andere wandern pausenlos umher. Manche leben allein, andere in kleineren oder größeren Gruppen. Manche leben in einer "festen Beziehung", andere wechseln ständig ihre Partner. Sie sind eben - genau wie wir Menschen - Nonkonformisten. Und darum ist es auch unmöglich vorherzusagen, zu welchen Tages- oder Jahreszeiten, bei welcher Wetterlage, bei welcher Mondphase oder Windrichtung man Grosse Tümmler wo antrifft.

Wir wissen, dass sie das ganze Jahr über um Gomera herum leben, aber wir wissen nie, ob sie sich dort, wo wir sie vermuten, nun auch wirklich gerade aufhalten. Wir wissen auch nie, wie sie gelaunt sind, wenn wir ihnen begegnen. Mal sind sie fröhlich, freuen sich auf unseren Besuch, springen hoch in die Luft. Schlagen Purzelbäume und führen alle möglichen Kunststücke auf. Dann wieder wollen sie nichts von uns wissen. Sind mit anderen Dingen beschäftigt. Beachten uns gar nicht oder schwimmen sogar einfach weg. Wir respektieren ihre Art. Schließlich sind wir es ja, die sie da draußen besuchen.

Wenn die kleinen Grossen Tümmler - nach einer Tragzeit von etwa 12 Monaten - geboren werden, dann werden sie von der Mutter anschließend noch 12 bis 18 Monate gesäugt. Während dieser Zeit schwimmen sie stets dicht an Mamas Seite und sie machen synchron alle Schwimmbewegungen des Muttertiers mit.

Wie alle Delfine orientieren sich die Tümmler mit Sonar-Klicks. Ob diese Fähigkeit allein der Orientierung dient, wissen wir nicht. Karl-Erik Fichtelius schreibt in seinem Buch "Man's Place":

"Eins haben Delfine uns zweifellos voraus: Sie können höchstwahrscheinlich durch Objekte hindurchhören. Schallwellen unter Wasser durchdringen einen Delfin oder einen Menschen mit nur geringem Verlust durch Ablenkung und Absorption. Delfine hören gleichsam so, wie ein Radiologe mit Röntgenstrahlen sieht. Das muss eine wichtige emotionale Bedeutung für die Übermittlung von Gefühlslagen haben und damit für jede Art persönlicher Interaktion. Wir (Menschen) drücken einen Teil unserer Gefühle mit den Gesichtsmuskeln aus, die wir bewusst kontrollieren können. Delfine dagegen offenbaren sich unter anderem durch die persitaltische Bewegung des Darms, die nicht direkt unter dem Einfluss des Willens steht. Es ist für einen Delfin unmöglich, dem anderen den starken Max vorzuspielen. Menschen, die sich schwer tun, ihren Gefühlen Ausdruck zu verleihen, werden den Vorteil zu würdigen wissen, den die Delfine in dieser Hinsicht haben."

Der Grosse Tümmler ist in seinem Bestand Gott sei Dank (noch) nicht gefährdet.

Robert K.G.Temple schätzt, dass es weitaus mehr Delfine auf der Welt gibt, als Menschen. "Und dennoch," sagt er, "sind die Weltmeere mit Sicherheit nicht übervölkert zu nennen."

(Logo ! Fast 3/4 der Erde ist ja Ozean. und nur 1/4 ist Land !)

Ein beliebter Platz für Grosse Tümmler auf Gomera ist übrigens die Gegend vor La Rajita und der Playa de Iguala. Vor allem am späten Nachmittag und bei Sonnenuntergang trifft man dort oft große Schulen, die entweder nach Makrelen jagen oder so eine Art artistischen Wasserzirkus aufführen. Leider tun sie das nicht immer, sondern nur dann, wenn sie da gerade Bock drauf haben. Und dann ist natürlich meistens keiner da, der klatscht !

2. Der Streifendelfin - Delfin listado
(Stenella coeruleoalba)

Er wird oft auch "Blau-Weiser-Delfin" genannt, weil seine Farbe dunkel-blau-grau mit weißem Bauch und hellen Flanken so auffallend ist. Auffälliger aber noch sind die schwarzen Längsstreifen, die von den Augen bis unterhalb der Schwanzflosse reichen.

Der Streifendelfin ist ein wahrer Akrobat, der außer den "normalen" Delfin-Sprüngen ( Salto vorwärts, Salto rückwärts, doppelter Salto mit eingedrehter Schraube etc) auch Rückenschwimmen und Rückwärts-Radschlagen im Repertoire hat.

Er wird bis zu 2,7 m gross, ernährt sich von Fischen, Krabben und Kalamares, lebt in tropischen und gemäßigt warmen Meeren hauptsächlich etwas weiter weg von den Küsten. Bei Geburt ist er ca. 90 cm lang und wird von seiner Mutter noch ca. 1 1/2 Jahre gesäugt. In Gruppen von mehreren hundert Tieren ziehen die Streifendelfine umher und fallen leider oft der unsäglichen Thunfisch-Fängerei mit sogenannten Ring-Netzen zum Opfer. Eine Methode, die seit vielen Jahren weltweit von zahlreichen Tierschutz-Organisationen verdammt und verfolgt wird, die aber immer noch - vor allem im pazifischen Raum - praktiziert wird. Dabei macht sich die Fischerei die Tatsache zunutze, dass sich Gelbflossen-Thune offenbar von den Delfinen zu den besten Futterstellen führen lassen. Hier werden nun riesige Ringnetze - bis zu 1,5 km lang und 13o m tief - ausgelegt. Mit Speedbooten werden Delfine und Thunfische zusammengetrieben und der Boden des riesigen Ringnetzes schließt sich. Delfine und Thunfische sind gemeinsam gefangen und werden zum Mutterschiff eingeholt. Mit dieser Methode wurden allein von amerikanischen Fangschiffen zwischen 1959 und 1972 4,8 Millionen Delfine getötet ! Allein 1961 waren es 534.000 Tiere ! Noch 1986 wurden - trotz Verbots - über15.000 Delfine bei der Ringnetzfischerei im Pazifik umgebracht.

3. Der Flecken-Delfin - Delfin manchado
(Stenella frontalis)

Eigentlich ist der Flecken-Delfin (richtiger: Atlantischer-Gefleckter-Delfin) ein Bewohner der tropischen Meere. Warum er dennoch so häufig um Gomera herum zu sehen ist, weiß man nicht so genau. Vielleicht gefallen ihm die Kanarischen Inseln, oder er findet hier (noch) reichlich Kalamare, von denen er sich hauptsächlich ernährt.

Er ist hier seit so langer Zeit heimisch, dass sich sogar eine ganz spezielle Kanarische Unterart des Flecken-Delfins herausgebildet hat, die etwas kleiner (1,8 m) ist, als die Fleckendelfine in anderen Gegenden der Welt.

Der Fleckendelfin, der seine charakteristischen Flecken übrigens erst bekommt, wenn er ausgewachsen ist, wird etwas über 2 m lang und zieht in Gruppen von 20 bis 50 und manchmal sogar zu mehreren hundert Tieren umher. Über seine Vermehrung ist bis heute so gut wie nichts bekannt. Ebenso wenig weiß man, wie viele dieser lebhaften und ausgesprochen neugierigen Tiere es überhaupt gibt.

4. Der Rundkopf-Delfin - Delfin gris - Calderon gris - Delfin de Risso
(Grampus griseus)

Rundkopf-Delfine sind ausgesprochen "freundliche" Tiere. Noch um die Jahrhundertwende pflegten sie z.B. in Neuseeland heimkehrende Segelschiffe draußen auf dem Meer "zu begrüßen" und dann bis zum Hafen zu begleiten. Heute tun sie das nicht mehr. Irgendwelche Idioten hatten sich nämlich einen Spaß daraus gemacht, die Tiere abzuschießen.

Rundkopf-Delfine werden 3 bis 4 m lang, sind weiß bis silbergrau, haben einen runden, vorn stark abgestumpften Kopf und eine gebogene, dunkle Rückenflosse.

Sie werden auch "Risso's Delfin" oder - hier auf den Kanarischen Inseln - "Delfin de Risso" genannt.

Ihr Lebensraum sind die tropischen und gemäßigt warmen Meere, wobei sie allerdings nur dort anzutreffen sind, wo die Meere - wie auf den Kanaren - sehr tief sind.

Sie sind ausgesprochen akrobatische Tiere, die - wenn ihnen danach ist - unglaubliche Sprünge und Saltos vorführen können. Ihre Hauptnahrung sind Kalamare. Es ist durchaus möglich, dass sich Rundkopf-Delfine ausschließlich von diesen Tintenfischen ernähren. Man weiß das noch nicht so genau. Überhaupt ist relativ wenig über diese Spezies bekannt. Man weiß nicht einmal, wie viele Rundkopf-Delfine es gibt. Wahrscheinlich sind sie aber sehr zahlreich. Auch über ihre Fortpflanzung ist bis heute so gut wie nichts bekannt. Man weiß lediglich, dass sie mit etwa 3 m Körperlänge geschlechtsreif werden, und dass sie sich im Laufe ihres Lebens so viele weiße Kratzer und Narben holen, dass sie im Alter oft aussehen wie "kleine Weiße Wale". In Japan sollen sie auch heute noch - trotz Verbot - gejagt werden. Kaum verwunderlich, gelten doch die Japaner weltweit als die übelsten aller Delfin-Jäger.

5. Der Rauhzahndelfin - Delfin de Hocico Estrecho - Delfin de Dientes Rugosos
(Steno bredanensis)

Früher galten sie als ausgesprochen seltene Tiere, wahrscheinlich deshalb, weil sie sich von flachen Küsten fernhalten und draußen, auf den offenen Meeren, nur wenig Beachtung fanden. Erst in jüngster Zeit - seit Tierbeobachtungen weltweit "in Mode" gekommen sind, werden sie öfter gesehen. Vor allem vor Hawaii und ... hier vor Gomera.

Rauhzahndelfine haben ihren Namen von vertikalen Falten oder Rillen in ihren Zähnen. Die haben andere Delfinarten nämlich nicht. Zu erkennen sind sie aber eher an ihrer langen, spitzen "Schnauze" (weswegen sie hier, auf den Kanaren, auch "delfin de pico largo" - Langschnabel-Delfin - genannt werden. Sie werden bis etwa 2,7 m lang, sind dunkelgrau bis schwarz - manchmal haben sie so eine Art lila Schimmer - und sind mit kleinen, rosa-weißen Flecken übersät. Auffallend sind auch ihre großen, schwarzen Augen. Über ihre Vermehrung ist noch nichts bekannt.

Wir treffen sie hier, auf unseren Delfin-Fahrten vor Gomera, meist in Gruppen von 10 bis 20 Tieren. Manchmal reiten sie auf den Wellen, und obwohl sie in anderen Gegenden der Welt meist zusammen mit anderen Delfinarten oder auch mit Grindwalen unterwegs sind, haben wir sie hier vor Gomera merkwürdigerweise noch nie zusammen mit anderen Arten gesehen. Sie scheinen hier auch überhaupt nicht scheu zu sein, denn sie kommen oft von selbst und ausgesprochen gern ans Boot heran. Auch da gibt es Berichte aus anderen Gegenden, in denen die Rauhzahndelfine als scheu gelten. Vielleicht kommt das ja daher, dass manche merkwürdigen Zeitgenossen ihnen in Speedbooten nachjagen und sie in ihrer Lebensweise stören.

6. Der "gewöhnliche" Delphin - Delfin comun
(Delphinus delphis)

Dieser Art, die auch "Common dolphin" oder (auf spanisch) "delfin comun" genannt wird, verdanken alle übrigen Delfine ihren Namen. Die alten Griechen gaben dem Tier seinen Namen - lange bevor die Wissenschaft herausfand, dass es noch viele andere Delfin-Arten in den Meeren der Welt gab. Die Delfine, die auch heute noch in den Bugwellen der Schiffe im Mittelmeer und in allen gemäßigt warmen und tropischen Ozeanen reiten, sind auch vor Gomera häufig anzutreffen. Vorn sind sie meist gelbbraun, hinten grau. An den Seiten haben sie eine Art Zick-Zack-Muster und auf dem Rücken einen schwarzen "Sattel". Sie werden bis 2,5 m lang, können jedes Jahr ein Junges gebären, das 4 Monate gesäugt wird und ernähren sich von Fischen und Kalamaren.

Sie leben in Schulen von 40 bis zu mehreren tausend Tieren zusammen. Dass sie oft von weit her angeschossen kommen, um auf der Bugwelle von Schiffen zu reiten, soll schon in grauer Vorzeit so gewesen sein - nur gab es damals keine Schiffe, sondern bloß große Herden von Bartenwalen, die eben auch so eine Art "Bugwelle" gehabt haben sollen. Kann ja sein. Im Schwarzen Meer wurde der Gemeine Delfin von noch viel gemeineren Russen, Bulgaren, Rumänen und Türken planmäßig gejagt. Bis zu 120.000 Tiere sollen Jahr für Jahr solange erlegt worden sein, bis der Delfin (Mitte der sechziger Jahre) im Schwarzen Meer so gut wie ausgerottet war.

Im April 1982 schrieb die Londoner "Sunday Times":"Türkische Fischer fangen und erschießen Delfine in solchen Mengen, dass sich die in der Presse häufiger erwähnten Massaker der Japaner im Vergleich dazu fast harmlos ausnehmen. Nach Angaben des 'People's Trust of Endangered Species (Verband für vom Aussterben bedrohte Tierarten) sind in den vergangenen 15 Jahren über 900.000 Delfine getötet worden. Die meisten wurden zu "Delfinöl" verarbeitet; der Rest der Kadaver wurde zu Hühnerfutter zermahlen. Doch es besteht kaum Nachfrage nach Delfinöl, seit die EG die Einfuhr von Walprodukten (auch solche von Tümmlern und Delfinen) verboten hat. In den dreißiger Jahren fingen Russen, Bulgaren, Rumänen und Türken pro Jahr 250.000 Delfine. Dann geschah das Unvermeidliche: Die Zahl der Delfine sank so rapide, dass die drei Ostblockländer 1969 das Blutbad beendeten ... Doch die Fischer aus Trabzon und anderen Schwarzmeerhäfen waren trotzdem den ganzen Winter in hellen Scharen draußen und haben die Delfine auf deren küstennaher Wanderung in Richtung Westen verfolgt." 1983 kam dann endlich auch in der Türkei ein Gesetz heraus, dass das Jagen von Delfinen untersagte. Hier, auf Gomera, sind derartige Gesetze Gott sei Dank überflüssig. Hier freuen sich die Menschen seit eh und je über die Delfine - unsere Freunde im Ozean.

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