Die Schwertwale

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Zwei Arten sind bekannt. Der "richtige" Orca (Orcinus orca) und der "falsche" oder Zwerg-Orca, auch "kleiner Orca" genannt (Pseudorca crassidens). Beide Arten kommen auf den Kanaren und ab und zu auch vor Gomera vor.

1. Der Schwertwal - Orca comun
(Orcinus orca)

"Killerwal" heißt er heute immer noch im gesamten englischen Sprachraum, obwohl viele Tierschützer diesen Namen inzwischen als ausgesprochen diskriminierend empfinden. Es stimmt schon: Schwertwale greifen andere Wale an. Wir selbst haben beobachtet, wie hier, vor Gomera, Schwertwale ein Pottwal-Junges gerissen haben. Sie fressen auch Delfine, Seehunde, Seelöwen, Vögel und sogar Meeresschildkröten. Aber "Mörder" sind sie deshalb sicherlich nicht.

Schwertwale erkennt man relativ leicht an ihrer grossen, bei Männchen bis zu 1,8 m langen, aufrecht stehenden Rückenflosse. Bei Weibchen und Jungtieren ist diese Flosse immerhin noch etwa 60 cm lang und für gewöhnlich gut sichtbar. Deutlich ist auch die schwarz-weisse Zeichnung des Körpers: Ein grosser, weisser Fleck hinter den Augen, weisser Bauch und weisse Flanken auf einem ansonsten pechschwarzen Körper machen den Orca unverwechselbar.

Schwertwale werden bis etwa 10 m lang und wiegen dann gute 8 Tonnen. Weibchen sind etwas kleiner (bis ca. 8 m). Jungtiere messen bei Geburt 2 m und bringen dann immerhin schon 200 kg auf die Waage. Ihre "weissen" Flecken sind während der ersten Lebensmonate übrigens eher rosa bis gelb-braun.

Schwertwale gibt es in allen Weltmeeren - sowohl draussen, auf hoher See, als auch in küstennahen Gewässern. In manchen Gegenden der Welt "robben" sie sich sogar die Strände hinauf, um unvorsichtige Seehunde zu schnappen und ins Wasser zu ziehen.

In der Regel aber jagen sie selten allein. Man hat ihr Jagdverhalten oft mit dem von Wölfen verglichen: In einer sehr koordinierten Aktion kreisen mehrere Tiere ihr Opfer ein und fallen dann gemeinsam darüber her, wobei berichtet wird, dass sie selbst vor ihrer eigenen Art nicht zurückschrecken.

Für gewöhnlich leben sie in festen Gruppen von bis zu 50 Tieren ständig zusammen und sollen sogar innerhalb ihrer Gruppen "eigene Dialekte" entwickelt haben, spezielle Laute, mit denen sie sich untereinander verständigen.

Schwertwal-Weibchen tragen ihre Jungen 14 Monate und säugen sie nach der Geburt ein bis zwei Jahre.

Obwohl sie nie das erklärte Ziel von Walfängern waren, werden sie bis in unsere Tage - vor allem von kleineren Fangbooten - gejagt. Fischer bringen sie oft um, weil sie befürchten, dass ihnen Schwertwale übermässig viele Lachse und andere Nutzfische "stehlen". Und seit bekannt ist, dass man Orcas in Gefangenschaft sehr publikumswirksame "Kunststückchen" beibringen kann, werden sie auch im Auftrage von Freizeitparks und Delfinarien lebend gefangen. (67 allein in Britisch Kolumbien/USA).

Berühmt geworden durch Steven Spielbergs Kinderfilm "Free Willy" ist der - seit vielen Jahren in Freizeitparks dahinvegetierende Orca "Keiko". Erst jetzt sind Tierschützer dabei, ihn auf Island wieder langsam an die Freiheit zu gewöhnen ("auszuwildern").

Der kleine Schwertwal - Falsa orca
(Pseudorca crassidens)

Der kleine oder auch "falsche" Schwertwal sieht eigentlich eher wie ein Delfin aus, nur hat er keinen "Schnabel". Er ist ganz schwarz oder dunkelgrau und hat auch nicht die charakteristischen weißen Flecken des richtigen Orca.

Er ist bei Geburt ca. 1,8 m groß. Weibchen werden bis 5 m, Männchen bis 6 m.

Die kleinen Schwertwale leben überwiegend auf hoher See, wo sie als sehr gesellige Wale Herden von manchmal mehr als 100 Tieren bilden.

Vor Gomera haben wir sie erst ein einziges mal sichten und genau klassifizieren können.

Die Grindwale

Vor der Südwest-Küste Teneriffas lebt eine Kolonie von ca. 500 Grindwalen (Globicephalidae), die tagtäglich von mehr als 60 Booten, Yachten und Touristenschiffen "besucht" wird. Der Andrang dort ist so groß, dass sich die Kanarische Regierung jetzt genötigt sah, gesetzliche Maßnahmen zu deren Schutz zu ergreifen. Auch um Gomera herum - vor allem am "Magic Point" im Süden der Insel, sind häufig Grindwale anzutreffen. Zwar nicht mit der Regelmäßigkeit wie vor der Südwest-Küste von Teneriffa, dafür aber weitaus ungestörter.

Der Wissenschaftler unterscheidet zwei Arten von Grindwalen: Den "gewöhnlichen", oder Langflossen-Grindwal; und den "Indischen" oder Kurzflossen-Grindwal. Beide Arten kommen hier auf den Kanaren vor, aber die letztere gilt aber als weitaus häufiger.

1. Der gewöhnliche Grindwal (Langflossen-Grindwal) -
Calderon comun (calderon de Aleta Larga)

(Globicephala melaena)

Er ist auch unter dem Namen "Pilot-Wal" bekannt. Diesen Namen verdankt er der Tatsache, dass große Herden von manchmal tausenden von Tieren alle einem Führer, einem "Piloten" folgen, wenn die auf "Wanderung" gehen.

Ausgewachsene Grindwale sind - bis auf einen hellen, ankerförmigen Fleck auf der Brust - schwarz. Am besten erkennt man sie an ihrer dicken, nach hinten gekrümmten Rückenflosse. Sie werden bis etwa 6 m lang und haben einen "knolligen", irgendwie unförmig wirkenden Kopf. Ob diese Kopfform aquadynamische Vorteile hat (sie erinnert etwas an die Wulst-Bugs moderner Schiffe) hat noch keiner erforscht.

Grindwal-Bullen haben oft Narben, von denen man nicht genau weiß, ob sie nun von Schiffs-Schrauben, oder von Balgereien mit anderen Bullen um die Gunst von Weibchen herrühren. Kanadische Biologen berichten, dass in großen Herden zwar zweimal so viele Bullen wie Kühe vertreten sind, dass aber nur einige wenige besonders kräftige "Machos" den Harem kontrollieren. Andere Forscher (Forscher/Innen ?) wiederum wollen festgestellt haben, dass die Schulen immer von alten Weibchen geführt werden, und dass die Machos "überhaupt nichts zu sagen haben". Sie sollen in Wahrheit nur Schutzfunktionen ausüben (dürfen).

Durchaus möglich. Warten wir ab, was uns die Forschung in den kommenden Jahren in dieser Hinsicht noch alles mitzuteilen hat. Sie ist ja noch relativ jung.

2. Der Indische Grindwal (Kurzflossen-Grindwal) -
Calderon tropical (calderon de Aleta Corta)

(Globicephala macrorhynchus)

Die Unterscheidung der beiden Grindwal-Arten ist bei Beobachtungen im freien Meer so gut wie unmöglich. Zwar sind die Brustflossen des "Langflossen-Grindwals" - wer hätte das gedacht - länger als die des "Kurzflossen-Grindwals", aber selbst Wissenschaftler, sogenannte "Taxonomen", liegen sich ständig bei der Klassifizierung in den Haaren. Offiziell heißt es: "Die Länge der Brustflossen erwachsener Gewöhnlicher Grindwale entspricht mindestens einem Fünftel der Körperlänge; bei Indischen Grindwalen ist es nur ein Sechstel der Körperlänge." Da kann, wer Lust hat, ja einen Zollstock und einen Rechenschieber mit auf See nehmen um nachzumessen und nachzurechnen, ob der neben dem Boot schwimmende Grindwal nun ein "gewöhnlicher" oder ein "indischer" ist.

Vor Gomera scheint es auch bei den Grindwalen eine spezielle Unterart zu geben. (Globicephala brederlauensis). Sie hat eine hellere Stirn und auf dem Rücken hellere, graue Streifen. Die nähere Erforschung dieser Art dauert an.

Grindwale wurden schon in grauer Vorzeit gejagt. Mit einfachen Ruderbooten wurden sie - wie Schafe - zusammen- und in flaches Wasser getrieben, wo sie dann in großen Mengen abgeschlachtet wurden. Aus Japan gibt es Belege, dass diese Methode dort bereits im 10. Jahrhundert (vor weit mehr als 1.000 Jahren also) praktiziert wurde. Auch auf den Orkney- und Shetland-Inseln jagte man sie so. Und von den Färöer-Inseln zeigen Berichte aus dem Jahre 1584, dass dort jedes Jahr zwischen 300 und 1.700 Grindwale erschlagen wurden.

Nun muss man den Menschen des 16.Jahrhunderts zugute halten, dass es damals noch keinerlei Umweltbewusstsein gab, und dass das Abschlachten der Wale - so grausam es bereits damals war - kaum Einfluss auf den Bestand der Arten hatte. Erst die Industrialisierung des Walfangs, die schwimmenden Fabriken, der weltweite Handel und last but not least die wachsende Weltbevölkerung und die Gier nach immer mehr Profit führten dazu, dass immer mehr Walarten gefährdet wurden.

Zum Glück für die Wale wird der Walfang inzwischen weltweit geächtet. Nur noch Norweger und Japaner morden trotz aller Proteste munter weiter. Um so unverständlicher ist, dass auch auf den, zu Dänemark gehörenden Färöer-Inseln Jahr für Jahr - auch gerade jetzt wieder - Grindwale in großen Mengen in flache Buchten getrieben und dort grausamst erstochen und erschlagen werden. Dabei dient das Fleisch keinesfalls vorrangig der menschlichen Ernährung. Es wird größtenteils zu Fischmehl verarbeitet und als Tierfutter verkauft. Vielleicht schmeckte ja gerade deswegen Ihr Frühstücksei neulich so merkwürdig.

Von allen Meeressäugern, die wir vor Gomera zu sehen bekommen, scheint der Grindwal trotzdem die wenigste Scheu vor dem Menschen zu haben.

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